Bis 2. November: historische Bilderreise durch die Lobau

Die Wiener Lobau ist nicht nur ein wertvolles Naturschutzgebiet, sie birgt auch viel Geschichte – und viele Geschichten.

Der Lokalhistoriker Robert Eichert, dessen jahrzehntelange Recherchen zum Thema in zahlreiche Publikationen und in ein jüngst erschienenes Buch mündeten, hat eine Ausstellung kuratiert, die die wechselvolle Geschichte des „Dschungels in der Großstadt“ in Text und Bildern präsentiert.

Die Ausstellung erzählt von den umwälzenden Veränderungen dieser von Überschwemmungen geprägten Flusslandschaft, zum Beispiel von der Donauregulierung im 19. Jahrhundert, der jagdlichen Nutzung der Aue durch die Habsburger und von den Arbeitslagern für Kriegsgefangene in der Zeit der Naziherrschaft. Sie berichtet aber auch über die freizeitliche Nutzung durch die Wienerinnen und Wiener nach den beiden Weltkriegen, vom Baden und Fischen, von Waldmenschen, Wilderern und von Freiheit, Festen und Wirtshäusern.

Ebenfalls historisch ist das vom Naturschutzpionier Anton Klein gegründete “Lobaumuseum” in der Oberen Lobau, das heute immerhin noch virtuell als informative Webpage des Vereins Lobaumuseum existiert.

Eine weitere Besonderheit ist die Freikörperkultur, die seit den 1920er Jahren unter dem Schlagwort „Lobauindianer“ in der Lobau Tradition hat. Eine der 45 Ausstellungstafeln zeigt Bilder des Fotokünstlers Didi Sattmann aus den 1980ern aus dessen Projekt „Die Nackerten von Wien“.

Die Bedeutung der Lobau als (weitgehend) naturbelassene Landschaft wird beispielhaft auch anhand der Geschichte ambitionierter Gymnasiasten in den 1970ern thematisiert, die für ihre Naturdokumentation sogar einen Preis der Stadt Wien erhielten. Der “Gole, der Naverl und der Franzi” waren auf Abenteuertour, wie man sie heutigen neugierigen Jugendlichen nur gönnen würde, die aber in dieser Ungezwungenheit leider nicht mehr so leicht möglich ist.

Der steigende Besucherdruck auf eine rapid schrumpfende Natur macht vermehrt Einschränkungen und Regulative notwendig. Eben darum wäre die heutige Stadtverwaltung gefordert, wieder einmal einen Preis auszuschreiben, und zwar für die Rettung des vertrocknenden und verlandenden Naturjuwels, und selbst das Ihre dazu beizutragen.

Die Lobau ist – obwohl Europaschutzgebiet und Teil eines Nationalparks – heute durch voranschreitende Austrocknung und Verlandung sowie durch ein Autobahnprojekt bedroht. Freizeitnutzung, Landwirtschaft, Trinkwassergewinnung und Klimawandel verkomplizieren die Situation.

Dennoch kann die Stadt Wien sich der Verantwortung für das Gebiet nicht entziehen. Dass sie die nostalgische aber auch sehr informative Ausstellung im Nationalparkhaus zeigt und unterstützt, lässt Hoffnung aufkeimen.

Die Ausstellung „Eine historische Bilderreise durch die Wiener Lobau“ erzählt die Geschichte des heutigen Nationalparkteils in mehr als 340 historischen Bildern auf 45 großformatigen Tafeln

Wann: 2. März bis 2. November 2025, Eintritt frei
Wo: Nationalparkhaus wien-lobAU, Mi-So 10:00 – 18:00 Uhr, Dechantweg 8, 1220 Wien
Als Outdoor-Ausstellung auch an anderen Standorten, wie dem Zaun des Nationalparkhauses, beim Trinkwasserbrunnen in der Oberen Lobau und am Kulturstadl in Essling.

Offizielle Eröffnung: 7. April um 18.00 im Nationalparkhaus am Dechantweg 8, 1220 Wien

Leave a Comment